Interview mit Dr. med. Sappok – der Arzt für(s) Gesunde

10 Oktober 2015 |

Kategorien:Interviews

Dr. med. Hans-Ulrich Sappok und ich haben uns auf einer Mind-Body-Summerschool für Mediziner letztes Jahr kennengelernt. Dort waren insgesamt viele gleichgesinnte Mediziner unterwegs, die sich Impulse aus komplementären Medizinsystemen, Yoga und Meditation für das eigene (ärztliche) Handeln holen wollten. Es herrschte ein reger Austausch und besonders Dr. med. Sappoks Vision für einen Raum für(s) Gesunde(n), an desen Umsetzung er mit viel Leidenschaft und Energie arbeitet, hat mich begeistert.

Aus diesem Grund habe ich ihn um dieses Interview gebeten um mehr zu dieser Idee und seiner Einstellung zu einem gesunden Leben zu erfahren.

Foto am 19.01.15 um 09.30

Was bedeutet Gesundheit für dich?

Wie es der Medizinhistoriker Heinrich Schipper gessagt: „Gesundheit ist ein Weg, der sich bildet, indem man ihn geht.“
Das passt gut zu Aaron Antonovskys dynamischem Bild vom Gesundkeits-Krankheits-Kontinuum.
Es ist ein Annäherungsziel, dass von mir Bewusstheit und Aktivität verlangt als die Anforderung des Lebens.

 

Wie hälst du dich gesund?

Indem ich Bewusstheit durch Achtsamkeit entwickle. Rituale, die mir gut tun, ausführe: insbesondere die Meditation und hier die „liebende Güte“ (Metta) Meditation.
Ich versuche die Regelkreise der Lebensführung einzuhalten, wie sie die Diätetik des Mittelalters schon empfahl (res non naturales). Mehr Informationen zur Geschichte der Diätetik findest du hier
Große Bedeutung hatte das Thema der Ernährung und die Erforschung von Unverträglichkeiten bereits in der altindischen Medizin. Diätetik als Begriff für ein umfassendes Salutogenese-Konzept geht auf die hippokratische Tradition zurück.

Deren Autoren forderten neben einer guten Ernährung auch körperliche Betätigung und ein geregeltes Leben. Die Texte regten auch mit praktischen Tipps zu Sport, Baden, Schlaf und sexueller Aktivität an.

Der hippokratische Ansatz wird in der römischen Kaiserzeit von Galenus wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. Er fasst sechs nicht natürliche Dinge (sex res non naturales) zusammen, auf deren Balance man zu achten habe:

Licht und Luft (aer)
Speise und Trank (cibus et potus)
Arbeit und Ruhe (motus et quies)
Schlaf und Wachen (somnus et vigilia)
Absonderungen und Ausscheidungen (secreta et excreta)
Anregung des Gemüts (affectus animi)

 
Wer oder was inspiriert dich?

Interessanterweise inspiriert mich das Übermaß an Krankheit der Menschen in unserem Gesellschafts-/Medizinsystem, von dem ich ein Teil bin. Es muss doch möglich sein mit der Medizin mehr Gesundheit hervorzubringen. Natürlich ist jede gelungene liebevolle Arzt-Patientenbegegnung eine Inspiration.

 

Nach welchen Grundsätzen arbeitest du als Arzt für(s) Gesunde?

Stärken stärken. Das Selbsthilfe- und Selbstheilungspotenzial des Menschen zu aktivieren; oder nach Antonovsky: den Menschen zum Schwimmer in seinem Fluss zu befähigen.

 

Was ließe sich deiner Meinung nach in unserem Gesundheitswesen und unsere Einstellung zum Thema Gesundheit verbessern?

Indem Gesundheit und deren Entwicklung attraktiver wird und auch besser honoriert wird als die Behandlung von Krankheit. Noch leben wir von Krankheit und deren Zunahme: ungesund für uns alle.
Betreffend Einstellung: Dass das Entdecken und Aktivieren von Gesundheitspotenzial Freude macht und zufrieden; einfach ein gutes Gefühl ist.
Es ist also ein motivierendes und gesundheitsbildendes Klima erforderlich. Dazu ist Voraussetzung, dass die im Medizinsystem Tätigen erst einmal selbst für sich die Thematik Gesundheit entdecken. Solange Menschen in helfenden Berufen eine schlechtere Lebenserwartung haben, als ihre Behandelten, kann diese Voraussetzung nicht gegeben sein.
Dies gilt es schon in der Ausbildung bewußt zu machen und salutogene Inhalte anzubieten.

 
Du planst gerade mehrere spannende Projekte, zum einen das Konzept „Prävention3.0“, zum anderen einen großen Praxisneubau in Düsseldorf. Was genau steckt dahinter?

Der große Bau ist die Vision. Ich beginne jetzt in meiner dann umgebauten Praxis, die nicht mehr die kurative Hausarztpraxis von vorher seien wird, sondern eher ein Gesundheitstrainingszentrum mit Schwerpunkt des Erlernens von Selbstkompetenz durch Achtsamkeit und Entwicklung neuer Haltungsziele mit dem Zürcher Ressourcen Modell ( www.zrm.ch) verbunden mit Resilienzförderung und Biographiearbeit. In dem Sinne ist „Prävention 3.0“ ein medizinisches Angebot mit den Themenfeldern der oben genannten Diätetik. Ein zentral neues Element der Praxis wird dann das Gruppensetting sein mit all seinen Stärken. Gerade das gemeinsame soziale Empfinden und Wachsen hat mehr präventives Potenzial als jegliche Risikofaktorenbeeinflussung: das zeigen die wissenschaftlichen Studien deutlich. Das Potenzial der Mind-Body-Medizin gilt es zum Blühen zu bringen.

 

Hier findest du Dr. med. Hans-Ulrich Sappok:

Sappok.de – Arzt für Gesunde

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